Seine Kernaussage: Mixed Reality ersetzt vollwertige Flugsimulatoren nicht. Sie ergänzt bewährte Geräte und ermöglicht hochwertiges Training dort, wo Verfügbarkeit und Skalierung entscheidend sind.
Warum Simulation skalierbar werden muss
Crews können mit Simulation Wetterlagen, Systemstörungen und anspruchsvolle Szenarien gefahrlos wiederholen. Dazu gehören Einsätze auf Schiffen oder Windenoperationen, die im echten Flugzeug teuer oder riskant wären.Das Problem liegt in der Skalierung. Vollwertige Flugsimulatoren sind große, fest installierte Anlagen. Desktop-Trainer und eigenständige VR-Anwendungen sind flexibel, bieten aber nur eingeschränkte Realitätsnähe. Ziel des Projekts war es, die Wirksamkeit eines hochwertigen Geräts zu erhalten und es zugleich deutlich besser skalierbar zu machen.
Physisches Cockpit, virtuelle Außenwelt
Piloten arbeiten mit echten Bedienelementen, Schaltern und Instrumenten. Für die Außenwelt setzen die Piloten Mixed-Reality-Headsets auf. Sie sehen weiterhin das physische Cockpit, ihre Hände und ihren Crewpartner.Die physische Interaktion bleibt so erhalten. Das ist wichtig für die Abstimmung im Mehrpersonen-Cockpit. Eine modulare Architektur erlaubt zudem, Cockpitkonfigurationen innerhalb einer gemeinsamen Infrastruktur zu tauschen. Das Gerät ist als FTD Level 3 qualifiziert. Das entspricht FAA Level 7.
Qualifizierung unter neuen Regeln
Die einschlägige EASA-Spezifikation stammt aus dem Jahr 2012. Sie berücksichtigt Mixed Reality nicht. Gemeinsam mit dem Luftfahrt-Bundesamt legte REISER objektive Nachweisverfahren fest. Sie umfassen unter anderem Latenz, Sichtfeld, Auflösung, Helligkeit, Farbwiedergabe und dunkle Szenen.Passende Messgeräte gab es nicht. REISER entwickelte sie deshalb mit Partnern. Das Ergebnis ist ein qualifiziertes Gerät und ein klarer Weg, wie sich die Konformität nachweisen lässt.
Was die Piloten sagen
Piloten, Testpiloten und Ausbilder der DRF Luftrettung bewerteten das System. Es handelt sich nicht um eine große wissenschaftliche Studie. Alle 14 Piloten bewerteten das System dennoch mit gut bis sehr gut. Besonders positiv fiel die Tiefenwahrnehmung auf. Auch Tiefflug, Autorotation, Instrumentenanflüge und Störungsbehandlung erhielten starke Bewertungen.Die größte Lücke ist das fehlende Feedback beim Aufsetzen. REISER sieht darin eine technische Frage: Wie viel Bewegung braucht ein Trainingsziel tatsächlich? Gezielte Reize wie Vibration oder Rückmeldung beim Aufsetzen könnten ausreichen. Eine vollständige Bewegungsplattform mit sechs Freiheitsgraden wäre dafür nicht zwingend nötig.
Mehr als ein Sichtsystem
Die Headsets erfassen, wohin der Pilot blickt. Ausbilder erhalten so objektive Daten zum visuellen Scanverhalten. Nachtsichtfähigkeit und zusätzliche Bewegungsreize befinden sich in der Entwicklung. Der Ansatz wird auch für Starrflügler untersucht.
Werkzeuge für unterschiedliche Trainingsziele
Verschiedene Trainingsziele brauchen verschiedene Werkzeuge. Vollwertige Flugsimulatoren behalten Fähigkeiten, die kleinere Geräte nicht bieten. Wo sich die Wirksamkeit objektiv nachweisen lässt, macht Mixed Reality hochwertiges Training modularer, zugänglicher und skalierbarer.
Für Dr. Hain ist die Qualifizierung der entscheidende Schritt. Neue Technologie ist für die Luftfahrtausbildung erst relevant, wenn ihre Leistung gemessen, nachgewiesen und im regulatorischen Rahmen anerkannt ist.Die Aufgabe lautet also nicht, Simulation einfach virtueller zu machen. Sie lautet, Training dort wirksamer zu gestalten, wo es nötig ist, dort skalierbarer, wo es möglich ist, und durchgängig messbar.