Wie wir Multi-Crew-Training in die Mixed Reality holen

21. August 2026 Lesezeit ca. 3 Min. Tech Stories

Im Forschungsprojekt ARTE entwickeln wir gemeinsam mit dem DLR einen AR/MR-Flugsimulator für zwei Personen. Die Instructor Station wandert in die Datenbrille, Eye-Tracking und physiologische Sensordaten liefern Trainingskennzahlen in Echtzeit.

Trainee mit Mixed-Reality-Headset im XR-SIM

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

ARTE ist ein gemeinsames Forschungsprojekt von REISER und dem DLR, gefördert im Luftfahrtforschungsprogramm LuFo Klima VII-1.

Ziel ist ein AR/MR-Flugsimulator, in dem Pilot und Fluglehrer gemeinsam Multi-Crew Coordination trainieren.

Die Instructor Operator Station wird vollständig in die Mixed-Reality-Brille des Fluglehrers verlegt.

Eye-Tracking und physiologische Sensordaten liefern Leistungskennzahlen, während die Übung läuft.

Warum MCC-Training an Grenzen stößt

Moderne Hubschraubereinsätze sind Teamarbeit. Wer als Crew fliegt, teilt Aufmerksamkeit, Aufgaben und Entscheidungen, und genau diese Koordination entscheidet in der Luftrettung oder im Einsatz über den Ausgang. Trainiert wird sie bislang vor allem im realen Flug oder im Full-Flight-Simulator.

Beides ist teuer, der reale Trainingsflug zusätzlich emissionsintensiv: Ein mittlerer Hubschrauber verursacht rund 632 kg CO2 pro Flugstunde. Ein AR/MR-Simulator wäre die Zwischenstufe, beweglicher und günstiger als ein Full-Flight-Simulator, näher am Cockpit als ein Desktop-Trainer. Bisher konnte er allerdings keine zweite Person mit ins Bild nehmen.

Hubschrauber-Cockpit im Full-Flight-Simulator: Pilot und Instruktor beim Multi-Crew-Training am DLR Mixed Reality Training Center

Multi-Crew-Training im Hubschraubersimulator, Ausgangspunkt für die AR/MR-Erweiterung. Bild: DLR

Die Instructor Station wandert in die Brille

Klassisch sitzt der Fluglehrer an einer Instructor Operator Station neben oder hinter dem Simulator und steuert von dort Wetter, Störungen und Szenario. In ARTE bauen wir diese Station vollständig virtuell und stellen sie in der Mixed-Reality-Brille des Instruktors dar. Der Fluglehrer sitzt damit wie im realen Cockpit neben dem Piloten und behält die Kontrolle über die Simulation trotzdem.

Technisch heißt das: eine zweite MR-Brille am bestehenden Forschungssimulator ARiTra des DLR, gemeinsames Tracking beider Blickfelder und eine Bedienoberfläche, die im Sichtfeld funktioniert, ohne die Sicht auf den Piloten zu verstellen. Aus einem Gerät für einen Piloten wird so ein Multi-Crew-Trainer.

Projektpartner

REISER Simulation and Training und DLR

Wissenschaftliche Begleitung

DLR-Institut für Flugsystemtechnik, Braunschweig

Förderprogramm

LuFo Klima VII-1

Förderkennzeichen

20Q2417

Laufzeit

Januar 2026 bis Juli 2028

Metriken und der Weg zur Qualifikation

Die zweite Neuerung sitzt in der Auswertung. Eye-Tracking zeigt, worauf eine Crew in welchem Moment schaut, physiologische Sensordaten geben Hinweise auf Belastung und Aufmerksamkeit. Aus beidem entstehen Live-Performance-Metriken, die den Fluglehrer entlasten und Feedback belegbar machen, statt es allein auf Beobachtung zu stützen. Die Auswertung übernimmt ein KI-gestütztes Verfahren.

Am Ende steht die Frage, ob sich ein solches Gerät nach EASA- und FAA-Standards qualifizieren lässt. Genau das bewertet ARTE mit. Die Ergebnisse fließen anschließend in die Weiterentwicklung zertifizierbarer AR- und MR-Simulatoren ein, also in Systeme, die wir bauen und ausliefern.

Redaktion REISER

Forschung und Entwicklung, Berg

Beitrag zum Verbundprojekt ARTE, gefördert im Luftfahrtforschungsprogramm LuFo Klima VII-1.

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